Kreative Beispiele aus den Kommunen

In vielen Kommunen in Niedersachsen haben im Jahr 2017 bereits Aktivitäten im Rahmen der Aktionswochen stattgefunden. Hier möchten wir Ihnen einige Beispiele vorstellen. Gern auch als Anregung für eigene Projekte!

Frauenbeteiligungstag

In Braunschweig fand innerhalb des Handlungsfeld II der 1. Braunschweiger Frauenbeteiligungstag statt: Neu in einem fremden Land zu sein, ist nie leicht! Welche Unterstützung, welche Hilfsangebote wünschen sich geflüchtete Frauen in Braunschweig? Um dies herauszufinden, wurden Frauen, die neu in Braunschweig sind, ins Mütterzentrum eingeladen.

In moderierten Gesprächsrunden mit Fachleuten aus der sozialen Arbeit und Dolmetscherinnen konnten Frauen sich zu Wort melden, ihre Nöte und Sorgen schildern und gemeinsam Lösungswege erarbeiten. Über 50 Frauen nahmen am Beteiligungstag teil und erarbeiteten eine umfangreiche Liste von Wünschen und Ideen. Die betroffenen Frauen beim Integrationsprozess nicht nur zu beteiligen, sondern explizit zur Mitarbeit anzuregen, hat sich als äußerst positiv gezeigt.

Die Werbung erfolgte mehrsprachig und durch eine gezielte und persönliche Ansprache der geflüchteten Frauen. Hierfür wurden Dolmetscherinnen und Dolmetscher hinzugezogen.

Selbstbestimmt Grenzen setzen

Die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Isernhagen hat mit lokalen Beratungsstellen kooperiert. Zielgruppe waren geflüchtete Frauen und Mädchen, um ihnen die gleichberechtigte Stellung der Geschlechter in Deutschland näher zu bringen.

Nach einem theoretischen Input über die Rechte von Frauen in Deutschland folgten praktische Übungen zum Erkennen der eigenen Grenzen. Außerdem wurden die Frauen über die Möglichkeiten an Hilfeorganisationen innerhalb der Kommune aufgeklärt. Die Trainingssequenzen "Selbstbestimmt Grenzen setzen" wurden hierbei für geflüchtete Frauen angeboten. Die Handlungsfelder II und III fusionierten und letztlich ergab sich ein spannendes und tolles Projekt.

Um die Sprachbarriere zu überwinden wurden Dolmetscherinnen und Dolmetscher für die Tagesveranstaltung hinzugezogen.

Beratungsrallye

Die Stadt Göttingen hat das Handlungsfeld I kreativ gestaltet. Es erfolgte eine Sensibilisierung für Menschen, die mit geflüchteten Frauen arbeiten - egal ob hauptberuflich oder ehrenamtlich. Die Teilnehmenden wurden zu einer Beratungsrallye eingeladen. Unter dem Titel "Wege aufzeigen" wurde das Hilfesystem der Stadt Göttingen erschlossen.

Um die Arbeit der einzelnen Beratungsstellen kennenzulernen, verfassten deren Mitarbeitende fiktive Geschichten von Frauen, die eine Beratung aufsuchen können. Durch diese "Biografien" mussten die Teilnehmenden der Rallye sich in ihre Situation hineinempfinden und besuchten anschließend die Beratungsstellen persönlich. Eine Beraterin oder ein Berater haben sie in Empfang genommen und die Szene nachgespielt oder durch andere Methoden bearbeitet. Die Teilnehmenden bildeten sich fachspezifisch weiter und bauten ebenfalls ihre empathischen Fähigkeiten aus. Außerdem waren sie persönlich in den Beratungsstellen vor Ort.

Die Teilnehmenden sollten die Beratungslandschaft der Stadt Göttingen ausgiebig kennenlernen und dieses Wissen in ihrem Arbeitsalltag nutzen und an die geflüchteten Frauen weitergeben. Es waren Beratungsstellen aus den Bereichen Berufliche Orientierung, Integrationsberatung, Gesundheit, Familie, Freizeit und Gewaltschutz involviert.

Lokale Events nutzen

In Verden wurde im Handlungsfeld II an die Preisverleihung der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit – "Rebellinnen gegen den Krieg", angeschlossen. Es werden Frauen ausgezeichnet, die in Kriegs- und Krisengebieten um Frieden ringen.

Zu einer Filmdarstellung im örtlichen Kino wurden aus diesem Grund geflüchtete Frauen eingeladen. Ziel war es, sie dazu zu ermutigen, über das grausame Kriegsgeschehen aus ihrem eigenen Erleben journalistisch in Deutschland zu berichten. Die diesjährige Preisträgerin Zaina Erhaim ist syrische Journalistin und Filmemacherin und stellt immer wieder die Kriegsrealität in ihrem Land dar. Sie schult gezielt Frauen, um diese auch ohne Schulbildung, journalistisch zu befähigen.

Im Anschluss an den Film stand sie für einen Austausch zur Verfügung. Die Diskussion wurde verbunden mit authentischen Informationen über die Situation in Syrien. Dadurch sollte öffentliches Nachdenken und politisches Bewusstsein angeregt werden und ein deutliches Signal dafür gesetzt, Frauen an Friedensverhandlungen zu beteiligen und den Frauen Wege aufzuzeigen, auch in Deutschland ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Der Austausch von Erfahrungen regt zum Nachdenken an und zeigt den Frauen, welche Rechte und Möglichkeiten sie in Deutschland haben.

Deutsche Migrationserfahrungen einbeziehen

Innerhalb der Aktionswochen im Handlungsfeld II wurde von Stade aus mit 41 Teilnehmerinnen dem Auswanderhaus in Bremerhaven ein Besuch abgestattet. In Kleingruppen sind die Frauen durch diese interaktive Ausstellung geführt und von Sprachmittlerinnen unterstützt worden. Sie konnten anhand der dargestellten Auswanderungsgeschichten ihre eigene Flucht- oder Lebensgeschichte reflektieren, sich austauschen oder sprechen. Gleichzeitig wurde Ihnen die deutsche Vergangenheit ein Stück nähergebracht und aufgezeigt, dass in Deutschland die Themen Flucht und Migration nicht fremd sind.

Von außen nach innen

"Von außen nach innen" hieß es im Landkreis Osterholz, der im Handlungsfeld II die Frauen zu einem interaktiven Erlebnis einlud. Mit sechs Kleinbussen machten sich die geflüchteten Frauen auf den Weg zu einer Landkreis-Rundfahrt. Jeder Bus fungierte dabei als "Sprachbus". In einem wurde arabisch gesprochen, in einem farsi und in einem anderen kurdisch. So war es gewährleistet, dass die Frauen dem Erlebnis problemlos folgen konnten. Es wurde ein Eindruck von Weitläufigkeit und Infrastruktur des Landkreises vermittelt.

Anlaufstationen waren die einzelnen Rathäuser, um Informationsmaterialien in Empfang zu nehmen. Durch die Fahrt wurde der Landkreis erschlossen und die Frauen haben sich über kulturelle Möglichkeiten, potenzielle Arbeitgeber und die Vorzüge ihres neuen Landkreises ausgetauscht.


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