Kreative Beispiele aus den Kommunen 2018

Auch in diesem Jahr wurden innerhalb der Aktionswochen "Gleichberechtigt leben - Unsere Werte, unser Recht" großartige Aktivitäten in den Kommunen und Landkreisen Niedersachsens verwirklicht. Gerne stellen wir auch aus dem Jahr 2018 Projekte vor, die beispielhaft den Facettenreichtum der Aktionswochen darstellen sollen. Das Aktionsprogramm "Gleichberechtigt leben - Unsere Werte, unser Recht" wird zum 31.12.2018 beendet. Inspirationen können hier aber gerne für eigene Initiativen gefunden werden!

Frauenbeteiligungstag

Die Stadt Braunschweig hat an ihren Beteiligungstag aus 2017 angeschlossen und zwei weitere Termine für Frauen mit Fluchthintergrund durchgeführt. Der erste Termin befasste sich mit den bereits 2017 geäußerten Bedarfen und Wünschen der geflüchteten Frauen in Braunschweig. Es wurde erörtert, inwiefern Maßnahmen zur Umsetzung stattgefunden haben.
Beim zweiten Frauenbeteiligungstag wurden weitere Themen vertieft behandelt. Dabei lag der Fokus auf der Isolation alleinerziehender Mütter und Vernetzungsmöglichkeiten, dem Erwerb der deutschen Sprache und Bildungsmöglichkeiten. Darüber hinaus wurde eine Broschüre erstellt, die Anlaufstellen und Kontaktdaten der Beratungseinrichtungen in Braunschweig sammelt.

Die diesjährigen Beteiligungstage wurden je von 50 Frauen besucht und wurden von den Veranstalterinnen als Erfolg gekennzeichnet. Es fand ein wertschätzender und nötiger Dialog statt.

Es ist geplant, solche Veranstaltungen auch zukünftig durchzuführen und die in Deutschland geltenden Frauenrechte mehrsprachig zugewanderten Frauen und Männer zur Verfügung zu stellen.

Information, Frauen-Demo und ein Internationales Frauen Forum

In der Hansestadt Stade wurde ein bunter Strauß an verschiedenen Aktivitäten angeboten. Die Frauen wurden eingeladen, sich mit nonverbaler Kommunikation auseinanderzusetzen und auf diesem Wege Kommunikationsstrategien kennenzulernen, bei denen die Bedeutung der Sprache zurücktritt. Im Zuge dessen gab es einen interkulturellen Austausch zu den jeweils landestypischen Spezialitäten.

Zum Thema "Teilhabe" und "freie Meinungsäußerung" wurde eine Frauen-Demo organisiert, um gemeinsam gegen Gewalt gegen Frauen laut zu werden. Die erste Frauen-Demo in Stade war ein voller Erfolg. Frauen verschiedener Herkunft traten dabei für die Rechte jeder einzelnen gemeinsam ein. Durch eine konsequente mediale Begleitung war die Demo "das" Thema in Stade. Eine Sammlung der Forderungen sowie Unterschriften wurden im Dezember öffentlichkeitswirksam überreicht und sollen auch dem Land Niedersachsen übermittelt werden.

Außerdem wurden noch Kurse angeboten, die Frauen über das hiesige Bildungssystem, die Rechte und Pflichten von Frauen sowie die Grundsätze der Gleichstellung aufklärten. Dabei sollten die Frauen auch für ihren Familienalltag "empowert" werden, um das Thema Gleichstellung in ihren Familien zu thematisieren. Durch "Wen Do" Kursen konnten die Teilnehmerinnen darüber hinaus ihr Selbstbewusstsein steigern und sich mit Grenzverletzungen auseinandersetzen.

Letztlich wurde der Auftakt eines Internationalen Frauen Forums (IFF) gefeiert. Das IFF soll zukünftig einen offenen Dialog über Gleichstellungsthemen gewährleisten sowie Aktivitäten entwickeln, um die Geschlechtergleichstellung weiter voranzutreiben.

Die Photo-Voice Methode

Im Landkreis Lüchow-Dannenberg wurde Frauen mit Fluchtgeschichte durch die Photo-Voice Technik die Chance geboten, durch eine bildgestaltende Methode an Stabilität und Selbststärkung zu gewinnen. Die Frauen wurden dazu ermuntert, auch ohne sprachliche Kompetenzen teilnehmen zu können und einen Weg zu finden, bestimmte Themen unausgesprochen zu thematisieren. Die entstandenen Plakate sollen auch zukünftig bei passenden Veranstaltungen als Ausstellung zum Einsatz kommen.
Abgerundet wurden die Aktivitäten durch einen Austausch über Frauenrechte und Politik. Es gab auch Raum, individuelle Erfahrungen zu teilen. Dies vor allem bezogen auf Akzeptanz, verschiedene Lebensmodelle oder das Äußern von Wünschen. Die Teilnehmerinnen sind selbstbewusster und gestärkter aus diesen Aktivitäten gegangen.

Beratungsrallye Teil 2

In Göttingen wurde an den Erfolg aus dem ersten Jahr angeknüpft: Aus "Wege aufzeigen" wurde kurzerhand "Wege festigen". Das Gleichstellungsbüro der Stadt lud die Teilnehmenden dazu ein, die Beratungseinrichtungen der Stadt nicht nur im Kopf zu haben, sondern ermöglichte es ihnen, die Beratungseinrichtungen persönlich kennenzulernen. In kleineren Gruppen wurden mehrere Beratungsstellen aufgesucht und anhand fiktiver Biographien deren Aufgabenbereich erfahren.

Um einen umfassenden Informationsfluss an alle Teilnehmenden zu gewährleisten, gab es an einem weiteren Termin einen Austausch über alle Stationen der Rallye. Zudem wurde ein Flyer produziert, der eine Übersicht der Anlaufstellen mit Kontaktdaten bietet.

Biographie-Forschung

In Wildeshausen wurde sich an mehreren Terminen eingehend mit den Biographien verschiedener Frauen beschäftigt. Deren Erlebnisse und Erfahrungen wurden in Interviews festgehalten und kunstpädagogisch aufgearbeitet. Dabei lernten die Frauen, ihre eigene Geschichte neu zu erleben und Dinge, die sie für selbstverständlich hielten, auch als persönliche Erfolge zu interpretieren.

Durch die wertschätzende Aufarbeitung wurde das Selbstbewusstsein der Teilnehmerinnen gestärkt und ihre Sichtweise, wenn auch anonymisiert, gehört und veröffentlicht. Die Bilder konnten als Nachklang zu der gelungenen Aktion im Foyer des Stadthauses ausgestellt werden. Ideen und Anregungen der Teilnehmerinnen sollen zukünftig auch kommunalpolitische Relevanz haben und perspektivisch in Vorhaben der Politik eingebunden werden.

Wege in den Arbeitsmarkt

Im Landkreis Osterholz wurde der Fokus auf das Thema Erwerbstätigkeit gelegt. An zwei Tagen wurden Frauen eingeladen, den Landkreis Osterholz besser kennenzulernen und Chancen zu erkennen und zu nutzen. Bei der "FrauenReise" lernten die Teilnehmerinnen am ersten Tag durch eine Fahrt in mehreren Bussen den weitläufigen Landkreis und "wichtige Orte" kennen. Verschiedene Referentinnen berichteten von ihren eigenen Integrationswegen: Es ging um Spracherwerb, Bildungschancen und die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe. Einzelne Lebensläufe wurden mit Höhen und Tiefen besprochen. Es wurde motiviert, sich auch ohne Sprachkenntnisse beispielsweise bei der KiTa zumindest regelmäßig "zu zeigen" und es wurden Optionen für eine Integration in den Arbeitsmarkt aufgezeigt.

Der Zweite Tag diente der Reflexion und Vertiefung der Themen der "FrauenReise". Gemeinsam wurden Kernsätze erarbeitet, die die Frauen auch über diese Aktivität hinaus zum Handeln motivieren:

  • "Deutsch lernen - Hauptsache Deutsch lernen."
  • "Ich gehe zum Schulfest, ich kann noch kein Deutsch - doch ich kann 'lächeln'."
  • "Ich frage das Jobcenter nach einem Job und warte nicht, bis sie mich fragen."

Im nächsten Jahr ist ein weiteres Treffen geplant. Thema: Chancen für eine Berufstätigkeit und die Wege in den deutschen Arbeitsmarkt.


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